Das Recycling von Altreifen

Das Verfahren der Firma Amandus Kahl GmbH & Co. in Reinbek ermöglicht die wirtschaftliche Granulierung von Altreifen.

Vermahlung von Reifen auf Flachmatrizenpressen

Das bei der Firma Amandus Kahl entwickelte Verfahren zur Warmvermahlung von Altreifen bietet eine kostengünstige Alternative zu den herkömmlichen Verfahren zur Zerkleinerung von Altreifen. Die Vermahlung von Reifen auf Flachmatrizenpressen ohne Stickstoffeinsatz zu metall- und gewebefreien Granulat, ermöglicht erhebliche Einsparungen.

Die angelieferten Reifen werden in einer Vorzerkleinerung auf eine Chipgröße von ca. 50 - 100 mm zerkleinert. Über einen Zwischenpuffer und eine regelbare Zuführung gelangen die Chips in das Herzstück der Anlage, die Gummivermahlung. Hier werden die Reifenteile in einer Kahl-Flachmatrizen­presse nach dem Kollergangprinzip zermahlen. Die Vermahlung der Reifenchips erfolgt zwischen den zylindrischen Kollerrollen und der als Lochscheibe ausgeführten, kreisförmigen Matrize. Die beim Abrollen der Koller auf der kreisförmigen Kollerbahn der Matrize entstehenden Scherkräfte sowie die über eine automatisch regelbare Presshydraulik aufgebrachten Presskräfte schließen die Reifenteile auf und lösen die verschiedenen Bestandteile Gummi, Stahl und Textil voneinander.

Die Presse vom Typ 60 - 1250 mit einer Antriebsleistung von 2 x 160 kW verarbeitet bis zu 4,5 t/h Reifenchips bei einer Inputgröße von ca. 50 x 80 mm (LKW) und ca. 100 x 150 mm (PKW) zu einem Granulat von < 0,4 – 20 mm. Bei Granulierung auf < 4 mm beträgt die Leistung einer einstufigen Vermahlung ca. 2,5 t/h (Input).

Nach der Vermahlung werden mittels Magnete die Stahldrähte und Stahl-Gummiverbunde abgetrennt. In einer ersten Siebung werden die Feinteile kleiner 8 mm abgetrennt und der Granulatreinigung zugeführt. Die Grob­fraktion sowie die Stahl-Gummi-Verbunde werden zur Granulierung zurückgeführt. Dabei hängt die Menge des zurückgeführten Materials vom Kornspektrum des gewünschten Produkts ab.

Nach der Granulierung wird das gemahlene Produkt je nach Kundenanforderung in einer mehrstufigen Sortierung und Sichtung in die verschiedenen Fraktionen getrennt. Die Metallabscheidung erfolgt in Trommel­magneten, die Klassierung mit­tels Sieben. Die endgültige Sichtung zur Abtrennung von Textil und Mineralien erfolgt dann mittels Zickzacksichtern und Trenntischen.

Das System ist modular aufgebaut und auf eine Anlagenleistung von 2,5 t/h pro Granulierpresse im 3-Schicht­betrieb ausgelegt. Das entspricht einem Durchsatz von bis zu 15.000 t/a für eine Linie. Durch Aufstellung paralleler Module kann die Anlagenleistung beliebig angepasst werden.

Man erhält an Produkten (bezogen auf den Input, abhängig von der Zusammensetzung des Input): 

  • Stahl: ca. 15 – 20 %
  • Gummigranulat 4 - 6 mm: ca. 15 %
  • Gummigranulat 2 - 4 mm : ca. 15 %
  • Gummigranulat 0 - 2 mm: ca. 30 %
  • Textil-Gummi-Gemisch: ca. 15 - 20 %

Die Endprodukte zeichnen sich durch hohe Reinheit aus und werden abgesackt oder in Silos zwischengelagert.

Neben der hohen Reinheit der Gummimehle zeichnet sich das Verfahren dadurch aus, dass eine sehr reine Stahlfraktion als Endprodukt anfällt. Bei einer Restverunreinigung von >> 3% Gummi- und Textilanteil im Stahl, lassen sich erstmals auch mit der Stahlfraktion Preise von deutlich über 100 Euro/t erzielen.

Das durch die Warmvermahlung gewonnene Gummigranulat weist eine deutlich größere spezifische Oberfläche auf, gegenüber dem kaltvermahlenen Granulat, dessen Oberfläche eher glatt und kubisch ist. Gummigranulate und -mehle finden in verschiedenen Einsatzbereichen Verwendung. Sie werden als Füllstoffe in der Kautschukindustrie verwandt, wodurch Materialkosten reduziert und der Herstellungsprozess vereinfacht werden können. Gummigranulat wird u. a. zur Herstellung von Fallschutzmatten auf Kinderspielplätzen und von Sportböden verwendet. Zumengung im Mutterboden verbessert Kompaktions- und Drainageverhalten stark frequentierter Rasenflächen. Durch Zusatz von PU-Bindern können Formteile hergestellt werden. Setzt man statt der PU-Binder Kunststoffgranulate (z. B. Recycling-Thermoplaste) zu, lassen sich in speziellen Verfahren Elastische Compounds herstellen. Hierfür eignet sich besonders warmvermahlenes Gummimehl. Als Zusatz verbessert dieses die Eigenschaften des Asphalt im Straßenbau, da der Gummiasphalt Lärmemissionen reduziert und die Temperaturstabilität der Straßendecke steigert. Die Bildung von Spurrillen im Sommer und der Frostrisse im Winter werden vermindert. Es bieten sich also vielseitige Anwendungsmöglichkeiten, gerade für das warmvermahlene Granulat.